04.Juni 2018

Freie Wohlfahrt in Sachsen fordert bessere Rahmenbedingungen für die Schuldnerberatung

Mitarbeiter stürzen Schuldenturm vor dem Sächsischen Landtag um

Heute startet die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrt in Sachsen forderten dafür in einer Pressekonferenz am Freitag eine deutliche Verbesserung der Schuldner- und Insolvenzberatung in Sachsen und stürzten vor dem Sächsischen Landtag einen „Schuldenturm“ ein, auf dem die Lebenssituationen von Menschen mit Schulden verzeichnet waren.

Mitarbeiter der Wohlfahrtspflege stürzen den Schuldenturm ein.
Mitarbeiter der Wohlfahrtspflege stürzen den Schuldenturm ein.

„Die Zahl der Menschen mit Schuldenproblemen im Freistaat steigt“, sagte der derzeitige Vorsitzende der Liga, Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich, am Freitag vor Journalisten in Dresden. Etwa 15 Prozent der Schuldner in Sachsen hätten keinen Zugang zu Beratungsangeboten, verdeutlichte Mitzscherlich. Ursachen seien vor allem Einkommensarmut, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder Tod eines Partners. Besonders betroffen seien auch Alleinerziehende.

Vor allem müssten die Rahmenbedingungen für die Beratungen verbessert werden, erläuterte Rotraud Kießling von der Diakonie Sachsen. Bei einer Schuldnerquote in Sachsen von 9,9 Prozent seien 40.800 Personen in rund 215.000 Haushalten betroffen. Das bedeute für viele Schuldner Wartezeiten auf eine Beratung von bis zu sechs Monaten. „Die Liga hält es daher für dringend geboten, die Schuldnerberatung so auszubauen, damit Menschen in dieser Notlage auch geholfen werden kann“, erklärt Rotraud Kießling. Für Sachsen würde dies eine Verdopplung der Beratungskapazität bedeuten. Zudem dürfe niemand der Zugang zur Beratung verwehrt werden, weil er zum Beispiel staatliche Regelleistungen erhalte. Frau Kießling „Das Recht auf Beratung ist für alle ver- und überschuldeten Menschen zu sichern. Es darf keine Zugangsbegrenzungen geben.“

Die Aktionswoche Schuldnerberatung findet jährlich bundesweit statt. Der Titel der diesjährigen Initiative lautet „Weg mit den Schulden!“ Zum einen gehe es darum, dass die Schulden weg sollen, aber auch darum, dass die Schuldner den Weg in die Schuldenfreiheit suchen, heißt es in der Ankündigung zur Aktionswoche. „Überschuldung ist eine Lebenskrise, die zu Verzweiflung, Krankheit und sozialer Isolation führen kann und keinen Aufschub duldet“, so Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich. Die Ratsuchenden befinden sich in einer finanziellen und persönlichen Notlage, aus der sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien können. Oft benötigen diese Menschen auch weitere psychosoziale Unterstützung.“ Die Liga in Sachsen hält 75 Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen (SB) mit rund 93 Vollzeitfachkräften vor. Diese haben im Jahr 2017 insgesamt 20.768 Fälle beraten. Hinzu kommen 11.340 Kurzberatungen.

Mehr zur Schuldenwoche unter http://www.aktionswoche-schuldnerberatung.de/

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