Mein Neueinstieg in der AWO als FSJ-lerin

Mein Name ist Jacqueline Krutzsch und ich arbeite als Freiwillige im sozialen Jahr in einen Alten -und Seniorenpflegeheim. Ich bin sozusagen der Nachzügler, da ich erst im Dezember angefangen habe, also 3 Monate später, um es genau zu sagen. Für das freiwillige soziale Jahr hab ich mich entschieden, um eine komplett andere Berufsgruppe kennen zulernen und mit deren Problemen auch umzugehen.

Mein Alltag im Pflegeheim sieht so aus ,dass ich um sechs zur Frühschicht anfange und dann erstmal gemeinsam mit meinen Kollegen alle Bewohner wasche , wobei es sehr unterschiedliche Leute sind vom Krankheitsbild gesehen und von der Mobilität. Die einen können noch alleine sich waschen, essen, laufen und andere Interessen verfolgen und die anderen dagegen können weder allein essen noch laufen, noch sich allein waschen. Auf so was wird natürlich Rücksicht genommen z.B. wird erst den Leuten beim Waschen geholfen die noch relativ alles selber machen können, damit diese dann in den Speisesaal gehen können, um dort zu essen.
Die Vollpflegefälle (können das Bett aus eigener Kraft nicht mehr verlassen) werden im Bett gewaschen, das IKM gewechselt (auch Windeln genannt) und dann wird ihnen das Essen gereicht. Nachdem man alle Bewohner den Start in den Morgen angenehm und ruhig ermöglicht hat, macht das Kollegium erstmal eine Pause von 30 Minuten, wo man kurz abschalten und entspannen kann. Danach wird entweder weiter gewaschen, wenn man noch nicht ganz fertig ist, oder es werden Bewohner gebaden , für die man sich etwas mehr Zeit nimmt, weil sie es nicht mehr alleine können. Meistens ist man dann spätestens gegen halb elf fertig.

Dann wird der Morgen der Patienten in der Krankenakte festgehalten, damit man immer nachvollziehen kann, was mit den Patienten gemacht wurde und was nicht. So circa um elf halb zwölf kommt das Mittagessen von der Küche, zuvor werden aber noch die Bewohner gespritzt, die Zucker haben. Danach wird wieder Essen gereicht, welches circa bis halb eins dauert, da manche Bewohner etwas langsamer essen als andere. Nachdem wird noch mal eine kleine Pause eingelegt, um dann die Bewohner alle in ihre Betten zu bringen und den IKM noch einmal zu wechseln. Wenn dies alles erledigt ist, wird noch einmal die Krankenakte auf den neuesten Stand gebracht und ein kleiner Bericht für die Spätschicht geschrieben, wie der Bewohner gelaunt war, oder ob er irgendwelche Auffälligkeiten gezeigt hat und und und…

Danach wird noch einmal geschaut, ob alle etwas zu Trinken in ihre Zimmer haben und wenn dies der Fall ist, trifft man sich dann kurz vor um zwei im Dienstzimmer, um Übergabe zu machen mit der Spätschicht. Danach wird das Kaffee trinken zugefüttert und wenn dies erledigt ist, ist auch meine Schicht zu Ende.

Voraussetzungen um ein FSJ im Altenpflegeheim zu machen ist, dass man keinen Ekel hat, Ausscheidungen der Bewohner weg zu machen bzw. den IKM zu wechseln. Man sollte vor allem Kontaktfreudig sein und zugängig, weil manche Bewohner auch ihre Probleme schildern und möchten oft auch einen anderen Rat hören. Verständnis muss auch viel gezeigt werden, vor allem den Krankheitsbildern der Bewohner, denn manche sind verwirrt und reden nicht immer über Sachen die Sinn machen oder einen Zusammenhang haben. Wir haben z.B auch Bewohner die sich etwas einbilden, wie eine Schwangerschaft oder ähnliches. Solche sollte man nicht auslachen, sondern mit ihnen behutsam umgehen.

Meine Probleme im Pflegeheim waren am Anfang, die Scheu davor IKM zu wechseln bzw. den Po zu säubern, oder die Bewohner zu waschen ,weil man gedacht hat, man tut ihnen weh, weil sie so zierlich sind. Dann war das Zufüttern auch manchmal problematisch, da die Bewohner wussten dass ich neu bin und ihre Grenzen austesteten. Manche Bewohner hatten auch einen sehr eigenen Geruch, welchen ich vorher noch nicht kannte. Natürlich wird man auch mit den Tod konfrontiert und besonders schlimm ist es, wenn man diesen Menschen lieb gewonnen hat und er auf einmal weg ist.

Ich finde das FSJ im Alten- und Seniorenpflegeheim ist ein sehr anspruchsvolles Jahr, da man mit vielen Problemsituationen konfrontiert wird und aber auch lernt Verantwortung zu übernehmen und auch manchmal in Situationen tolerant zu sein wo man es eigentlich vorher nicht gewesen wäre. Wer sich dazu entscheidet diesen Weg zu gehen und ein Jahr lang Erfahrung zu sammeln, lernt auf jeden Fall etwas für sein Leben. Ich habe viele getroffen, die danach auch eine Lehre als Altenpflegerin begonnen haben und total erfüllt und glücklich bei ihrer Sache sind. Ich finde es gut, wenn sich welche dazu entscheiden, denn wir sind die Zukunft und wir werden auch mal alt…

 

 
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