19.Mai 2020

Eine sehr harte Probe

Ein Kommentar zur Kita-Öffnung von Annett Fahland

Wie lässt sich die Wiederöffnung der Kindertageseinrichtungen mit den vorgegebenen, strengen Hygienevorschriften realisieren? Annett Fahland, Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten des AWO Kreisverbands Bautzen, zieht ein Zwischenfazit.

In der Kita

Die Erfüllung der Strukturvorgaben zur Gruppeneinteilung, deren stabile Besetzung sowie die Gestaltung der Bring- und Abholsituationen bei bestehendem Betretungsverbot der Kita in Verbindung mit dem geforderten Dokumentationsaufwand erfordern zeitliche und personelle Ressourcen, über die die Einrichtungen im bestehenden gesetzlichen Rahmen nicht verfügen.

Theoretische Modelle werden der Praxis nach unserer Einschätzung aufgrund der im wesentlichen eingesetzten Teilzeitkräfte und der bevorstehende Urlaubszeit nicht standhalten. Eine personelle Aufstockung ist nicht nur vor dem Hintergrund der fehlenden Finanzierung undenkbar, auch der ohnehin vorhandene Fachkräftemangel steht dem entgegen.

Wir haben entschieden, von der eingeräumten Möglichkeit zur Einschränkung der Öffnungszeiten Gebrauch zu machen, um die Zielvorgaben zumindest annähernd umzusetzen.

Allerdings stehen hier die Interessen der Eltern deutlich hinten an, was sich negativ auf die Zusammenarbeit auswirkt. Insbesondere Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen arbeiten häufig in Schichtdiensten und sind auf Randbetreuungszeiten angewiesen. Wir als Träger, aber besonders die Kitaleiter*innen sind dem unglaublichen Druck zwischen den unterschiedlichen Interessen ausgeliefert und erarbeitete Erziehungspartnerschaften werden auf eine sehr harte Probe gestellt.

Neben den organisatorischen Fragestellungen und Problemlagen ergibt sich zudem auch ein fachlicher Zwiespalt, der zumindest erwähnt werden sollte. Die in letzten Jahren teilweise hart erarbeitete situations- und bedürfnisorientierte Pädagogik muss bei Einhaltung der Vorgaben definitiv einer weitestgehend strukturgeleiteten Alltagsorganisation weichen. Da die Dauer dieser nun eingesetzten Phase sehr weit gefasst ist, sind die Folgen hieraus aktuell allerdings schwer einzuschätzen.

Wir sind uns bewusst, dass die Bekämpfung der Pandemie alle Entscheidungsträger vor große Herausforderungen stellt, Einschnitte unverzichtbar sind und konstruktive Lösungen vor Ort gefunden werden müssen. Und wir begrüßen ausdrücklich, dass Kinder nun einen wichtigen Teil ihrer Lebenswirklichkeit zurückgewinnen und Eltern entlastet werden. Allerdings kommt die Praxis mit der Umsetzung der derzeit gültigen Vorgaben eindeutig an ihre Grenzen und eine Balance zwischen gesundheits- und familienpolitischen Interessen ist so kaum herzustellen.

Bei Fragen wenden Sie sich an:
Ulrike Novy
Pressesprecherin I Öffentlichkeitsarbeit
Telefon 0351 84704-529

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