Unsere Equal Pay Day Kampagne

Intro Text zur LFS Equal Pay Day Kampagne: wir haben 5 Menschen nach verschiedene Aspekten der Gleichbereichtigung gefragt. 

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Jana Paulsen:
Katja Meier:
Martin Dulig:
Petra Köpping:
Rasha Nasr:

1. Wie aktuell ist der internationale Frauentag mit seinen ursprünglichen Anliegen im Jahr 2021?

Jana Paulsen: Die Anliegen, für die sich heute eingesetzt werden muss, sind andere, als die, für die Frauen damals gekämpft haben. Dennoch ist der internationale Frauentag immer noch notwendig, um politische Forderungen für Geschlechtergerechtigkeit sichtbar zu thematisieren und für die Anliegen von Frauen zu werben.
 
Katja Meier: Im Kampf um Gleichberechtigung und das Wahlrecht fand der erste internationale Frauentag 1911 statt. Er ist heute aktueller denn je, denn die von der UN-Frauenrechtskonvention als wichtigstem internationalen Menschenrechtsinstrument geforderte rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann ist trotz einiger Fortschritte weltweit noch lange nicht erreicht. Es ist kein Geheimnis, dass mit dem Erstarken von Rechtspopulisten Gleichstellung und insbesondere der Schutz von Frauenrechten selbst in Europa wieder unter Bedrängnis steht. Eindrücklich ist dies auch bei der Istanbul-Konvention des Europarates, der wichtigsten Konvention zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt, die in diesem Jahr zehn Jahre besteht. Zahlreiche Staaten haben das Abkommen nicht ratifiziert. Polen prüft den Austritt.
 
Aber auch in Deutschland ist die vom Grundgesetz geforderte tatsächliche Gleichberechtigung nicht erreicht. Die Bundesregierung hat deshalb 2020 eine nationale Gleichstellungsstrategie aufgelegt, die nunmehr Gleichstellung im Querschnitt und strukturell fördert. Dass auch 110 Jahre nach dem 1. Frauentag Handlungsbedarf besteht, wird deutlich mit Blick auf die Unterrepräsentanz von Frauen im Bundestag, in Landesparlamenten und auf kommunaler Ebene. Die nationale Gleichstellungsstrategie möchte hier gegensteuern und eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in Parlamenten auf allen Ebenen erreichen. Auch im Freistaat Sachsen sind wir nicht untätig und verfolgen die oben genannten Ziele mit Nachdruck: Wir planen Maßnahmen den Anteil von Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst zu erhöhen, Entgeltgleichheit zu erreichen, den Anteil von Mandatsträgerinnen in den Kommunalparlamenten und im Landtag zu erhöhen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Martin Dulig: Die ursprünglichen Ziele, das Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung durchzusetzen, haben wir in einem formalen Sinn erreicht. Von einer wirklichen Gleichberechtigung sind wir jedoch auch heute noch entfernt und damit hat der Internationale Frauentag seine absolute Berechtigung, indem er weltweit auf Frauenrechte, die Gleichstellung der Geschlechter und bestehende Diskriminierungen aufmerksam macht.
Petra Köpping: Leider immer noch sehr aktuell. Es ist ja immer noch kein „Feiertag“, an dem wir uns zufrieden auf den Erfolgen ausruhen können; sondern ein Tag, an dem wir immer noch auf die vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten aufmerksam machen müssen.
 
Rasha Nasr: Der Internationale Frauentag ist immer noch hoch aktuell, denn jeden Tag kämpfen Frauen um Respekt, Anerkennung und Mitsprache. Schauen wir in die Parlamente, sehen wir, dass Frauen deutlich unterrepräsentiert sind. Frauen erhalten für gleichwertige Arbeit 19% weniger, als ihre männlichen Kollegen und sind häufiger von Altersarmut bedroht. Ungefähr jeden dritten Tag wird eine Frau Opfer häuslicher Gewalt und ungefähr 95% der Anfeindungen im Internet, richten sich gegen Frauen. Das sind nur ein paar Gründe, warum der Frauentag immer noch aktuell ist. Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns.

2. Warum sprechen Frauen Ungerechtigkeiten, wie die Gender Pay Gap, nur selten öffentlich an?

Jana Paulsen: Diese Einschätzung teile ich nicht. In den letzten Jahren ist das Thema Gender Pay Gap sichtbar auf der Agenda und wird von vielen Frauen öffentlich thematisiert. Es ist gelungen, dieses als zentralen Missstand in der Gesellschaft aufzuzeigen und als einen der Kernpunkte im Kampf gegen Geschlechterungerechtigkeit zu diskutieren.
 
Katja Meier: Diese Einschätzung teile ich nicht ganz. Unter anderem durch den seit 2011 bestehenden Aktionstag Equal Pay Day, der von einem international agierenden Frauenberufsnetzwerk initiiert und mit Kampagnen unterstützt wird, hat das Thema Lohngerechtigkeit in den letzten Jahren immer wieder besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Es ist nicht zuletzt dem lautstarken Wirken dieser und vieler anderer organisierter Frauen zu verdanken, dass u. a. die nationale Gleichstellungsstrategie das Ziel „Entgeltgleichheit und eigenständige wirtschaftliche Sicherung im Lebensverlauf“ verfolgt. Unter deutscher Ratspräsidentschaft im letzten Jahr hat beispielsweise der Rat am 1. Dezember 2020 Schlussfolgerungen zur Bekämpfung des geschlechtsspezifischen Verdienstgefälles abgegeben. Seit dem 4. März dieses Jahres liegt endlich auf EU-Ebene ein erster Richtlinienvorschlag zur Lohntransparenz vor.
 
Auch in anderen Bereichen melden sich Frauen mutig und laut zu Wort, etwa zu den Themen gleichberechtigte Teilhabe an politischen Ämtern oder an Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft. Es gibt nahezu kein gesellschaftliches Feld mehr, in dem Frauen sich nicht entschieden und mit klarem Standpunkt einmischen, um ihre Rechte durchzusetzen.

Martin Dulig: Ich denke, die Lohnlücke ist auch durch den Equal Pay Day mittlerweile ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich etwas ändert. Ich kann nur jede Frau ermutigen, ihre Interessen durchzusetzen.
 
Petra Köpping: Wem ist es nicht unangenehm, in eigener Sache zu streiten? Wer hat nicht tief in sich drin die Hoffnung, dass es bei einem selbst schon mit rechten Dingen zugeht? Und wer hat nicht zuletzt Angst, den Arbeitsplatz oder zumindest den guten Eindruck bei den Vorgesetzten zu verlieren, wenn man zu ernsthaft für seine Gleichberechtigung streitet? Diese Fragen zeigen, dass wir Gleichstellung nicht zu einer individuellen Frage von „einzelnen Betroffenen“ machen dürfen, sondern wir als Gesellschaft das Motto leben müssen: nicht diejenige, die Gleichstellung einfordert, ist „das Problem“, sondern derjenige, der es verhindert.
 
Rasha Nasr: Ich glaube nicht, dass Frauen Ungerechtigkeiten nur selten öffentlich ansprechen. Ich denke, dass ihnen viel zu häufig nicht richtig zugehört wird. Ich sehe in meinem Umfeld und auch außerhalb meiner „Blase“ viele Frauen, die immer wieder auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. Es reicht daher nicht, wenn Politik und Medien nur einmal im Jahr darauf aufmerksam machen – wir brauchen also eine neue Auseinandersetzung. Es geht nicht darum, zu meckern, es geht darum, Dinge wirklich zu verbessern und der Lebensrealität von Frauen gerecht zu werden.

3. Welche 3 Maßnahmen würden Sie ergreifen, um die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen?

Jana Paulsen: Es ist notwendig, dass ein Transparenzsystem existiert, das es Arbeitnehmer*innen ermöglicht, Lohnunterschiede zu identifizieren. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein erster Schritt. Es muss noch konsequenter angewendet und weiterentwickelt werden.
Der Einsatz dafür, dass sich die Verdienstlücke zwischen den Geschlechtern durch Ausfallzeiten nicht vergrößert, ist ebenso wichtig.
Hier sind in der jüngeren Vergangenheit erste Erfolge spürbar. Zunehmend mehr Männer übernehmen beispielsweise schon jetzt Kinderbetreuungszeiten. Wir müssen hier aber weiter aufmerksam sein, damit dieser erste Fortschritt nicht durch die Corona-Pandemie wieder zum Rückschritt wird, denn es fällt auf, dass in der Krise wieder mehr Frauen, als Männer zu Hause bleiben und die Betreuung der Kinder dort übernehmen.

Nicht zuletzt bedarf es einer hohen Sensibilität von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, Frauen bei Gehaltsverhandlungen fair und möglichst objektiv einzuschätzen. Denn es fällt vielen Frauen schwerer, ihre eigenen Interessen in Gehaltsverhandlungen regelmäßig und konsequent zu vertreten.

Katja Meier: Diese Frage kann nur ressortübergreifend gelöst werden, da hier an ganz verschiedenen Stellschrauben gedreht werden muss. Als Gleichstellungsministerin ist es mir dabei sehr wichtig, für das Thema Entgeltgleichheit sowohl die Frauen selbst, aber auch die Arbeitgebenden in besonderer Weise zu sensibilisieren und vor allem sachsenweite Transparenz herzustellen. Denn auch der Gender Pay Gap, der als Bruttoverdienstlücke zwischen Männern und Frauen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2020 in Sachsen sieben Prozent betrug, fällt regional unterschiedlich aus. Daher erscheinen regionalspezifische Ansätze gefragt. Wir wollen ein Modellprojekt zur Entgeltgleichheit konzipieren, welches konkrete Handlungsansätze aufzeigt, um so die Lücke schließen zu können.
 
Martin Dulig: Im EU-Vergleich spielen in Deutschland strukturelle Merkmale wie Branchenverteilung, Berufsauswahl und Betriebszugehörigkeit für die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen eine besonders große Rolle. Wir alle – Eltern, Schule und Gesellschaft - müssen dort ansetzen, wo eine besonders große Wirkung erzielt werden kann. Beispielsweise sollten Mädchen ermutigt und unterstützt werden, besonders zukunftsträchtige IT-Berufe zu ergreifen. In sogenannten Frauenberufen wie der Altenpflege braucht wir außerdem eine höhere Tarifbindung. Gerade vor diesem Hintergrund ist das Scheitern des Tarifvertrages für die Altenpflege an der Caritas für mich sehr bedauerlich. Umso wichtiger ist es, dass der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, nun die Pflegemindestlohnkommission neu einberufen möchte, damit auf diesem Weg höhere Lohnuntergrenzen festgelegt werden. Eine andere wichtige Rolle spielt die gerechte Aufteilung der sogenannten Sorgearbeit in der Familie. Meist übernehmen Frauen den größten Teil dieser Arbeit, zulasten ihrer beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Hier ist jeder und jede Einzelne gefordert.
Petra Köpping: Ganz oben steht eine gerechtere Bezahlung. Da ist zwar mit dem Lohntransparenzgesetz eine Menge passiert, gleichwohl sind immer noch zu viele Frauen prekär beschäftigt. Und daher würde ich weiterhin Ideen und Projekte fördern, die Frauen noch stärker ermutigen und dabei unterstützen, für ihre Rechte - vor allem gegenüber den Arbeitgebern - einzutreten.
 
Rasha Nasr: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, flächendeckende Tariflöhne und eine paritätische Besetzung von Chef:innenetagen in Unternehmen.

4. Wie können wir Ihrer Meinung nach höhere Löhne für Erzieher*innen, Pfleger*innen, Sozialpädagog*innen u. a. Berufen erreichen, die bisher unterbezahlt sind?

Jana Paulsen: Die gute Bezahlung von sozialen Berufen ist unabhängig vom Frauentag und der Frage des Gender-Pay-Gap ein wichtiges Thema – auch um die Attraktivität dieser Berufe zu steigern und damit das dringend benötigte Personal dauerhaft gewinnen und binden zu können. Die Gesellschaft muss bereit sein, zum Beispiel für die Pflege von Angehörigen oder die Betreuung von Kindern mehr zu bezahlen. Nur dann ist es möglich diese Berufsgruppen konsequent besser zu entlohnen.
 
Katja Meier: Es geht hier vor allem um gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung von anspruchsvoller und teilweise belastender Arbeit, die sich natürlich auch im Geldbeutel auswirken muss. Allerdings sind Lohnverhandlungen zunächst Aufgabe der Tarifparteien, die der Tarifautonomie unterliegen. Trotzdem setze ich mich als Gleichstellungsministerin im Rahmen der Gleichstellungs- und Frauenminister/-innenkonferenz für diese Thematik ein. Dort haben wir bereits vergangenes Jahr den Beschluss „Chancen der Corona-Krise nutzen – jetzt Geschlechtergerechtigkeit umsetzen“ gefasst. Der Beschluss fordert, der Systemrelevanz „frauentypischer Tätigkeiten“ umfassend Rechnung zu tragen und deren Anerkennung, Wertschätzung und Aufwertung in allen gesellschaftlichen Bereichen umzusetzen.
 
Martin Dulig: Das beste Mittel gegen Niedriglöhne ist und bleibt die Tarifbindung. Wenn die Sozialpartnerschaft in einzelnen Bereichen zu schwach ist, muss der Staat notfalls eingreifen und Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären. Der gesetzliche Mindestlohn hat die Funktion einer Auffanglinie. Wir müssen deshalb auch den Mindestlohn auf ein existenzsicherndes Niveau von 12 Euro erhöhen.
 
Petra Köpping: Ich möchte gern die aktuelle Wertschätzung gegenüber viele Berufsgruppen nutzen: den Pflegerinnen, Krankenschwestern und Altenpflegerinnen beispielsweise. Hier ist gerade jetzt ein guter Moment, über deren zukünftige Entlohnung zu reden. Leider haben wir im Bereich der Altenpflege ganz aktuelle einen Rückschritt erlitten, da die Caritas die Allgemeinverbindlichkeit eines neuen und besseren Branchentarifvertrages verhindert. Das hätte vor allem für die vielen beschäftigten Frauen eine spürbare Verbesserung gegeben. Doch der Weg bleibt grundsätzlich der richtige: gute Löhne für alle.
 
Rasha Nasr: Ich denke, dass es hier ein klares politisches Bekenntnis braucht. Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, dass die „Systemrelevanz“ hauptsächlich weiblich ist – 80 Prozent derer, die in diesen Berufsfeldern arbeiten, sind Frauen. Es ist deshalb nicht nur Zeit für Anerkennung oder Applaus. Sondern vor allem auch für gerechte und bessere Bezahlung, familienverträgliche Arbeitszeiten, mehr Mitspracherechte und Aufstiegsmöglichkeiten. Im Bereich Pflege braucht es dringend einen flächendeckenden Tarifvertrag. Die Erzieher:innenausbildung muss kostenlos und der Beruf besser bezahlt werden. Dafür brauchen wir starke Gewerkschaften, die gute Tarifverträge aushandeln. Ich sehe da erste Schritte, denke aber, dass wir noch einen weiten Weg zu gehen haben.
Bei Fragen wenden Sie sich an:
Sven Scheidemantel
Projektmitarbeiter Fachbereich Migration, Flucht und Inklusion
Telefon 0351 84704-555

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